Greti Caprez

Die illegale Pfarrerin


Greti Caprez 
Hörinstallation einer Pionierin

Am 13. September 1931 tut das Bündner Bergdorf Furna einen Schritt, den zuvor noch keine Gemeinde der Schweiz gewagt hat: Es wählt eine Frau zur Pfarrerin. Über 80 Jahre danach macht sich die Enkelin auf die Spuren ihrer Grossmutter. Sie erzählt die Geschichte der Pionierin in einer Hörinstallation für Kirchen. Vom 7. bis am 28. Februar gastiert diese Hörinstallation in der reformierten Kirche Langnau am Albis. Die Kirche ist täglich geöffnet. Am 7. Februar 2021 um 10 Uhr wird die Ausstellung mit einem Gottesdienst eröffnet, in welchem Christina Caprez, die Enkelin und Initiantin der Hörinstallation, mitwirken wird.

Die Geschichte
Greti Caprez-Roffler ist 25 Jahre alt, frisch gebackene Theologin und Mutter, als sie 1931 im Bergdorf Furna im Prättigau zur Pfarrerin gewählt wird. Eine Frau auf der Kanzel, das kann sich damals kaum jemand vorstellen. Kein Kanton, keine Gemeinde hat bis dahin eine Frau zur Pfarrerin gewählt, Frauen steht höchstens eine Stelle als (ledige) Pfarrhelferin offen. Caprez-Roffler nimmt das Amt an und zieht mit ihrem neugeborenen Söhnlein ins Bergdorf, ihr Mann bleibt als Ingenieur in Zürich. Ein Skandal. Der kantonale Kirchenrat versucht alles, um das störrische Bergdorf zur Einsicht zu bringen und konfisziert schliesslich das Kirchgemeindevermögen. Die Pfarrerin lässt sich nicht beirren und übt ihr Amt zwei Jahre für Gotteslohn aus.

Historische Bedeutung
Greti Caprez-Roffler (1906–1994) war nicht nur die erste Frau in der Schweiz, die als Pfarrerin eine Gemeinde betreute. Sie gehörte 1963 zu den ersten zwölf Theologinnen, die von der Zürcher Landeskirche im Grossmünster ordiniert und so für Kirchgemeinden als Pfarrerin offiziell wählbar wurden. Sie reklamierte für sich, was damals kaum vorstellbar war: ein volles Berufsleben als Pfarrerin und gleichzeitig eine glückliche Liebe, eine erfüllte Sexualität, eine Familie mit vielen Kindern.

Relevanz für die Gegenwart
Die Lebensgeschichte von Greti Caprez-Roffler erzählt exemplarisch vom Kampf der Theologinnen um das Pfarramt. Das Leben von Greti Caprez-Roffler umfasst darüber hinaus all die Fragen, die Frauen (und Männer) bis heute beschäftigen: Wie gehe ich meiner Berufung nach und werde gleichzeitig meinen Kindern gerecht? Wie lebe ich eine Liebesbeziehung auf Augenhöhe? Wie stark lasse ich mich in meinem Leben von meinem Umfeld, von gesellschaftlichen Normen beeinflussen, wie stark widersetze ich mich? Und was ist der Preis für den Widerstand?

 

Die Hörinstallation erzählt die Geschichte von Greti Carpez-Roffler und fragt zugleich nach unseren eigenen Lebensträumen, Zweifeln und Visionen.

 

Nadja Papis, Susanne Hanselmann und Christina Caprez
 



Mit nachfolgendem Link
«Die illegale Pfarrerin»

können Sie sich die Audiodateien der Stationen aufs Handy holen und für die Ausstellung Ihre eigenen Kopfhörer benutzen.
An den einzelnen Stationen kann man sich auch mit QR-Code einklicken.

 

Der Eintritt zur Ausstellung ist frei.

 

 

Kontakt

Webereistrasse 31
8134 Adliswil
Tel: 043 377 19 99
E-Mail: verwaltung@refsihltal.ch

Informationen